Medizin
Allgemeinmedizin


Entstehung der chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD)

01.08.2017
 - Christoph Frank Dietrich , Manfred Oestreicher

Die chronisch obstruktive Lungenerkrankung fasst die Symptomenkomplexe der chronisch obstruktiven Bronchitis und des Lungenemphysems zusammen. Dies erfolgt auf Vorschlag der Global Initiative for Chronic Obstructive Lung Disease (GOLD), wegen der schwierigen Abgrenzung von obstruktiver Bronchitis und Emphysem bei meistens gleichzeitigem Auftreten beider Erkrankungen.

Die Abkürzung COPD bedeutet Chronic Obstructive Pulmonary Disease, chronisch obstruktive Lungenerkrankung. Der Begriff wurde aus dem angloamerikanischen Sprachraum übernommen und ist spätestens seit der Herausgabe einer nationalen Leitlinie zur Diagnostik und Therapie der COPD durch die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie im Jahr 2002 auch im deutschsprachigen Raum etabliert.

Dahinter verbirgt sich eine chronische Atemwegserkrankung, die Folge einer entzündlichen Reaktion der Lunge auf schädliche Partikel und Gase der Atemluft ist. Sie ist eine chronische, nicht heilbare Erkrankung, die langsam fortschreitet und zu einer zunehmenden Beeinträchtigung des Befindens führt. Die Atemwege sind verengt (obstruktiv) und der Gasaustausch ist infolge zerstörten Lungengewebes (Emphysem) eingeschränkt.

Die COPD ist charakterisiert durch eine nicht vollständig reversible Atemwegsobstruktion nach der Gabe von Bronchodilatatoren. Die Krankheit ist durch eine Verengung der Bronchien bzw. Überblähung und Verlust des Lungengewebes gekennzeichnet, wodurch sich die drei Hauptsymptome Husten, Auswurf und Atemnot entwickeln. Die Atemnot tritt zunächst nur bei Belastung auf. Es kommt im Verlauf zu einer Verschlechterung der Lungenfunktion mit einer Abnahme des exspiratorischen Einsekundenvolumens (FEV1) (Obstruktion) und zu einer Zunahme der funktionellen Residualkapazität (FRC, ITGV) bzw. der gesamten Lungenkapazität (TLC) (Emphysem).
In die Diagnose der COPD werden andere Ursachen einer chronischen Atemwegsobstruktion wie zum Beispiel Asthma bronchiale, Mukoviszidose oder Bronchiektasien nicht mit einbezogen.

Chronische Bronchitis

Eine chronische Bronchitis liegt vor, wenn Husten und Auswurf über wenigstens 3 Monate in zwei aufeinander folgenden Jahren auftritt. Dies ist die Definition der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Eine Obstruktion (Verengung) der Atemwege liegt nicht vor. Die häufigste Krankheitsursache ist das Rauchen. Bei lang andauernder Erkrankung kann es zur chronisch obstruktiven (verengenden) Bronchitis und/oder zum Lungenemphysem kommen. Viele Patienten mit chronischem Husten und Auswurf entwickeln jedoch keine obstruktive Lungenerkrankung.

Chronisch obstruktive Bronchitis

Eine chronisch obstruktive Bronchitis liegt vor, wenn zusätzlich zur chronischen Bronchitis eine dauerhafte Obstruktion der Atemwege eingetreten ist. Sie kann sich aus der einfachen chronischen Bronchitis entwickeln bei länger andauernder Erkrankung und weiterer Einwirkungen von Schadstoffen. Dabei kommt es zu einer Verengung (Obstruktion) der Atemwege. Die Obstruktion ist nach Gabe von Bronchodilatatoren nicht vollständig reversibel.

Lungenemphysem

Der Begriff Lungenemphysem ist pathologisch-anatomisch definiert. Beim Lungenemphysem kommt es zu einer irreversiblen Überdehnung und Zerstörung der kleinsten Bronchien (Bronchioli respiratorii) und des Lungengewebes (Ductus alveolares, Sacculi alveolares und Alveolen). Die Gasaustauschfläche wird dadurch kleiner. In der Lungenfunktion findet sich eine Abnahme des CO-Transferfaktors und eine Zunahme der funktionellen Residualkapazität (FRC) bzw. der totalen Lungenkapazität (TLC). Außerdem findet sich häufig eine Obstruktion.
In den meisten Fällen entsteht ein Emphysem im Verlauf einer chronisch obstruktiven Lungenerkrankung. Das Emphysem kann allerdings auch erblich bedingt sein. Es entsteht zum Beispiel durch einen Mangel an dem Enzym Alpha-1-Antitrypsin. Man spricht dann auch von der Alpha-1-Antitrypsin-Mangelkrankheit oder dem Laurell-Eriksson-Syndrom.

Folgende Formen des Emphysems werden unterschieden:

  • zentrilobuläres Lungenemphysem: Destruktion im Bereich der Bronchioli respiratorii, vor allem in den zentralen Anteilen der Lobuli und Acini; häufig in Kombination mit chronischer Bronchitis, obstruktiven Atemwegserkrankungen, Hypoxie und Hyperkapnie (so genanntes obstruktives Lungenemphysem)
  • panlobuläres Lungenemphysem: gleichmäßige Destruktion sämtlicher Strukturen distal der Bronchioli terminales, häufig Belastungsdyspnoe
  • bullöses Lungenemphysem: Untergang des respiratorischen Gewebes mit Ausbildung zahlreicher Blasen verschiedener Größe ohne begleitende Infektion, unter Umständen Kompression des umliegenden Gewebes; Ruptur einer Blase führt zum Spontanpneumothorax
  • kompensatorisches Lungenemphysem: durch chirurgische oder andere Volumenverminderung (z. B. Narben) bedingte Überdehnung benachbarter Bezirke (Randemphysem)
  • atrophisches (seniles) Lungenemphysem: duktalveoläre Dilatation und Atrophie des Lungengewebes im Alter
  • unilobuläres (unilaterales) Lungenemphysem: angeborenes oder in Form einer frühkindlichen Bronchiolitis erworbene Überblähung eines Lungenlappens bzw. einer Lunge (Swyer-James oder McLeod-Syndrom)
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