0 Artikel im Warenkorb

*zzgl. MwSt.

Bestellformular
Medizin
Praxisrecht


Bundesverfassungsgericht kippt den Numerus Clausus

19.12.2017

(Bundesärztekammer) Montgomery: „Das richtige Signal zur richtigen Zeit“
(Bundesärztekammer) Montgomery: „Das richtige Signal zur richtigen Zeit“

Das Urteil des Bundesverfassungsgerichts ist genau das richtige Signal zur richtigen Zeit. Dass Karlsruhe Änderungen bei der Studienplatzvergabe anmahnt, ist nicht nur eine gute Nachricht für viele hochmotivierte junge Menschen, denen der Zugang zum Arztberuf bislang de facto versperrt ist. Das Urteil ist auch eine deutliche Aufforderung an Bund und Länder, bei der schleppenden Umsetzung der Reform des Medizinstudiums endlich Tempo zu machen.“ Das sagte Bundesärztekammer-Präsident Prof. Dr. Frank Ulrich Montgomery in einer ersten Reaktion auf das Urteil des Bundesverfassungsgerichts über das Auswahlverfahren zum Medizinstudium. „Das Urteil beinhaltet aber auch eine heftige Ohrfeige für eine kleinstaatliche Bildungspolitik, die es nicht schafft, das Abitur bundesweit chancengleich und chancengerecht zu gewährleisten. Auch die Bildungspolitik muss hier nachbessern", so der Bundesärztekammer-Präsident.

Die Bundesärztekammer und Deutsche Ärztetage hatten sich seit langem für Änderungen bei den Auswahlverfahren und für mehr Studienplätze in der Humanmedizin stark gemacht. Bei der mündlichen Verhandlung des Bundesverfassungsgerichts Anfang Oktober war auch die Bundesärztekammer geladen. Montgomery hatte in Karlsruhe unter anderem die mangelnde Transparenz bei der Studienplatzvergabe sowie zu lange Wartezeiten kritisiert und strukturierte Eignungsprüfungen gefordert.

Studienzulassung gerechter gestalten

„Bund und Länder sollten das Urteil zum Anlass nehmen, die Studienzulassung gerechter zu gestalten und besser auf die Erfordernisse einer Gesellschaft im Wandel auszurichten“, forderte Montgomery. Karlsruhe hat die Hochschulen verpflichtet, neben der Abiturnote obligatorisch ein weiteres, nicht notenbasiertes Zulassungskriterium anzuwenden, das bundeseinheitlich, strukturiert und standardisiert sein muss. „Damit hat das Gericht unseren Vorschlag, ein bundesweites Assessment durchzuführen, im Kern bestätigt“, sagte Montgomery.  „Unsere Patienten brauchen nicht nur Spitzenforscher. Sie brauchen auch gute Ärzte mit sozialen Kompetenzen und der Bereitschaft, aufs Land zu gehen“, sagte der BÄK-Präsident. Assessment-Center mit bundeseinheitlichen Kriterien könnten helfen, die fachlich und menschlich geeigneten Studierenden auszuwählen.

Wartezeiten begrenzen

Des Weiteren fordert das Gericht den Bundesgesetzgeber auf, die Wartezeiten auf einen Medizinstudienplatz zu begrenzen, da der Studienerfolg nach zu langer Wartezeit nicht mehr chancengleich gewährleistet werden kann. „Nun kommt es darauf an, dass die Länder endlich tätig werden und mehr Studienplätze schaffen. Notwendig ist eine Erhöhung der Zahl der Studienplätze um mindestens zehn Prozent. Denn dass die Wartezeiten mittlerweile länger sind als das Studium selbst, kommt nicht von ungefähr." Noch im Jahr 1990 gab es allein in den alten Bundesländern 12.000 Studienplätze in der Humanmedizin. Nach der Wiedervereinigung hätte die Zahl durch die zusätzlichen Fakultäten in den neuen Bundesländern sogar auf 16.000 Plätze steigen müssen, sie ist aber kontinuierlich geschrumpft. Mittlerweile stehen den 45.000 Bewerbern gerade einmal 9.000 Studienplätze zur Verfügung - und das, obwohl Ärztinnen und Ärzte in Klinik und Praxis händeringend gesucht werden.

Klarer Politikauftrag

„Auch in diesem Bereich sollte die Politik das Karlsruher Urteil als klaren Auftrag verstehen, ihrer Verantwortung für die ärztliche Nachwuchsförderung gerecht zu werden“, so Montgomery.

Medizinerberuf ist geprägt von Menschlichkeit und persönlicher Motivation

Die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin begrüßt ebenso das Urteil: Bisher war das Medizinstudium in Deutschland nur den Besten der Besten unter den Abiturienten vergönnt, ein Großteil der Bewerber schied bereits in der zentral geregelten Vorauswahl durch die Stiftung für Hochschulzulassung aus. Die Auswahl über den Numerus Clausus schränkte nicht nur die durch das Grundgesetz gewährte Berufsfreiheit ein, sie erschwerte es bisher auch, ausreichend Fachkräfte für den Arztberuf zu finden. Auch wenn der derzeitige Nachwuchsmangel Grund für die jetzige Initiative gewesen sein mag, ist am NC insbesondere die Eingrenzung auf gute schulische Leistungen problematisch. „Der Medizinerberuf ist geprägt von Menschlichkeit und persönlicher Motivation, beides kann eine Abiturnote nur eingeschränkt abbilden“, sagt Professor Dr. med. Ullrich R. Fölsch, Generalsekretär der DGIM aus Kiel. Viele der an unseren Universitäten ausgebildete Mediziner gehen auf dem Weg zum praktizierenden Arzt „verloren“, weil sie sich in der praktischen Patientenversorgung nicht wohl fühlen – sie treten nie eine Stelle in der stationären oder ambulanten Krankenversorgung an. Zudem begünstige der Numerus Clausus überproportional viele Frauen, die im Durchschnitt besser im Abitur abschneiden. „Wir brauchen in der Medizin Frauen ebenso wie Männer. Wenn wir die Auswahl der Studierenden verfeinern und neben schulischen Leistungen auch weitere Fähigkeiten wie Empathie und kommunikative Stärke abfragen, bin ich sicher, dass wir hier eine größere Diversität an menschlichen Qualitäten erreichen können. Das kommt sicherlich den künftigen Patienten zu Gute“, so Fölsch.


Quellen:
Pressestelle der deutschen Ärzteschaft, www.bundesaerztekammer.de/presse/pressemitteilungen
Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin e.V. (DGIM), Pressestelle, www.dgim.de/ueber-uns/pressestelle.html

weiterlesen
Das könnte Sie auch interessieren:
01.08.2017
Unerlaubte Maßnahmen zur Steigerung der Ausdauerleistung mehr

Ausdauerleistungen hängen wesentlich von der Sauerstoffversorgung ab. Durch gezielte Trainingsmaßnahmen kann es zu einer Verbesserung der Sauerstoffversorgung und damit der Leistungsvoraussetzungen kommen. Zu... mehr