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Koordinationstraining im Fußball: 15 methodische Grundsätze

01.08.2017
 - Prof. Dr. Jürgen Weineck , Prof. Dr. Daniel Memmert , Matthias Uhing

Koordinativ-technische Fähigkeiten können als die wichtigsten Komponenten im modernen Fußball angesehen werden.
Koordinativ-technische Fähigkeiten können als die wichtigsten Komponenten im modernen Fußball angesehen werden.

Im Gegensatz zu den anderen motorischen Hauptbeanspruchungsformen, die zum Teil mit recht einseitigen Trainingsmethoden entwickelt werden können, ist die Koordination vorrangig komplex zu verbessern. 15 methodische Grundsätze des Koordinationstrainings im Fußball sind besonders hervorzuheben.

  1. Eine hochgradige Entwicklung der Koordination ist nur über das Prinzip der ständigen Variation und Kombination der Übungsmethoden und -inhalte zu erreichen.

  2. Durch das Erwerben und Anwenden sportlicher Fertigkeiten vervollkommnen sich gleichlaufend die psychophysischen (z.B. analysatorischen) und koordinativen Funktionen – also die Voraussetzungen für weiteres motorisches Lernen – für den Erwerb neuer sportlicher Fertigkeiten.

  3. Die Koordination ist rechtzeitig zu schulen, da sich die Prozesse der Informationsaufnahme und -verarbeitung aufgrund der physiologischen Altersinvolution verschlechtern und die Trainingseffektivität sinkt.

  4. Die differenzierte Herausbildung einzelner Druckbedingungen in den verschiedenen Altersstufen erfordert die Nutzung intensiver Entwicklungsphasen: Die Anforderungen haben sich dem Entwicklungsprofil anzupassen.

  5. Eine vielseitige Bewegungserfahrung verkürzt die Lernzeiten bzw. effektiviert den Trainingsprozess bei der Herausbildung neuer Bewegungsfertigkeiten bzw. sportlicher Techniken: Auf die Entwicklung eines umfassenden Bewegungsschatzes ist daher größter Wert zu legen.

  6. Mit der Schulung der Koordination kann nicht früh genug begonnen werden, da sie die jeweilige Voraussetzung für eine erhöhte motorische Lernfähigkeit in den nachfolgenden Altersstufen darstellt.

  7. Die Koordination lässt sich nur unter dem Aspekt der Komplexität, der Variabilität und der Kontinuität entwickeln; auf eine altersgemäße Schulung, vor allem unter Einbeziehung der Kleinen Spiele, ist Wert zu legen.

  8. Einem vielseitigen bzw. beidseitigen Üben und Trainieren ist der Vorzug gegenüber einem einseitigen Training zu geben! Es kommt jedoch nicht darauf an, die Leistungen der nicht-dominanten Seite mit „Gewalt“ auf das Niveau der dominanten zu bringen, sondern die potenziellen Möglichkeiten in der dominanten Seite durch nervale Bahnungsprozesse und Steigerung des allgemeinen Muskelsinnes zu optimieren.

  9. Lernunterschiede zwischen den Händen oder Füßen bei der Bewältigung koordinativer Aufgabenstellungen werden durch ein beidseitiges Training reduziert.

  10. Beim Üben von koordinativen Aufgaben empfiehlt es sich, zunächst mit dem nichtdominanten Körperteil (Hand, Fuß) zu trainieren und erst später auf die dominanten umzusteigen. Insbesondere wenn es sich um Anforderungen zum Präzisionsdruck handelt.

  11. Beim Üben von koordinativen Aufgaben, die den Schwerpunkt auf Zeitdruck- und Kraftanforderungen legen, empfiehlt es sich, zunächst mit dem dominanten Körperteil (Hand, Fuß) zu trainieren und erst später auf die nicht-dominanten umzusteigen.

  12. Konditionelle Vorbelastung mit mittlerer und hoher Intensitäten haben keine negativen Effekte auf ein Training von Präzisionsdruck, insbesondere nicht für längerfristige Lernleistung. Extreme muskuläre Beanspruchungen der besonders an der Kriteriumsbewegung beteiligten Muskeln sind jedoch zu vermeiden.

  13. Wird eine neue Technik eingeführt, soll darauf geachtet werden, dass sich die Sportler bzw. Schüler tatsächlich ausgeruht dem Techniktraining widmen. Dabei ist es unbedeutend, ob die Technik in der sportlichen
    Bewährungssituation mit oder ohne Belastung gefordert wird.

  14. Bei Übenden, welche die Struktur der Bewegung schnell erfasst haben oder die bereits über ein relativ gutes Niveau verfügen, soll das Techniktraining auf jeden Fall auch mit konditionellen Belastungen kombiniert werden.

  15. Insgesamt zeigen die neueren Erkenntnisse aus der Motorikforschung, dass Belastungsdruck frühzeitig isoliert und auch in Kombination mit anderen Druckbedingungen in ein fußballspezifisches Koordinationstraining im Jugendbereich aufgenommen werden kann. In einem Kindertraining ist Belastungsdruck jedoch zunächst noch zu meiden.

Quelle:

Weineck J., Memmert D., Uhing M.: Optimales Koordinationstraining im Fußball. Sportwissenschaftliche Grundlagen und praktische Umsetzung, Spitta 2012, 92-94

 

 

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