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Taktik im Bogenschießen

11.07.2019
 - Oliver Haidn

Komponenten und Bedeutung der Taktik im Bogensport
Komponenten und Bedeutung der Taktik im Bogensport

Unter Taktik versteht man das planmäßige, auf die eigene und gegnerische Leistungsfähigkeit sowie die äußeren Umstände abgestellte Verhalten in einem Einzel- oder Mannschaftswettbewerb. Im Gegensatz zu den Kampf- oder Spielsportarten zielt die Taktik im Schießen vorwiegend auf die eigene Leistung ab, weniger auf die der Gegner.

»Denke nicht ans Gewinnen, doch denke darüber nach, wie man nicht verliert.«
(Gichin Funakoshi, Vater des modernen Karate)

Komponenten der Taktik

Ein optimales Wettkampfverhalten hat eine optimale taktische Einstellung des Schützen zur Voraussetzung. Dabei basiert ein taktisches Konzept auf einer dem jeweiligen Schützen entsprechenden technischen Grundlage, korrespondierenden konditionellen Voraussetzungen (z.B. Kraftausdauer) und angemessenen psychisch-volitiven und intellektuellen Fähigkeiten (Gedächtnistätigkeit, Geschwindigkeit der Auffassung, Fantasie, Kombinationsfähigkeit, Umstellungsfähigkeit, schnelle Reaktionen, Abstraktionskraft und Eigenständigkeit; vgl. Weineck 2010, 891). Einen Überblick über die Komponenten der Taktik im Bogenschießen gibt die folgende Abbildung.

Komponenten des taktischen Handlungsgefüges im Bogenschießen (vgl. Weineck 2010, 891)

 

Wie sollte man auch bei böigem Wind und Regen gleichmäßige Gruppierungen erzielen, wenn man nicht in der Lage ist, die Abdrift des Pfeils einzuschätzen und seine Technik (z.B. Anhalten) darauf auszurichten. Taktik bedeutet aber auch, in einem Finalschießen, psychisch so gefestigt zu sein, dass man in der Lage ist, plötzlich seinen Schießrhythmus zu verändern und dadurch seinen Gegner zu stören.

Die Aufrechterhaltung der inneren Antriebs- und Steuerungsmechanismen bedarf der so genannten Steuerungsfähigkeiten. Diese werden benötigt, um innere Schwierigkeiten und äußere Hindernisse zu meistern.

Beachten Sie: Es ist eine Aufgabe des langfristigen Trainingsprozesses, individuelle Steuerungsfähigkeiten des Schützen bereits im Kindes- und Jugendalter zu entwickeln und in ausreichendem Maße kontinuierlich zu fördern. Nur so ist es möglich, sich den ständig verändernden Trainings- und Wettkampfsituationen erfolgreich anzupassen.

Bedeutung der Taktik

Beim Bogenschießen ist das taktische Denken –ähnlich wie auch beim Wasserspringen oder Eiskunstlauf – darauf ausgerichtet, kinematische und dynamische Bewegungsparameter (Positions- und Bewegungsphasen) unter erschwerten Bedingungen (in einem Wettkampf) so zu steuern, dass der Schießablauf zum einem definierten Zeitpunkt (Tag X) bestmöglich ausgeführt werden kann.

Eine optimale Steuerung beruht dabei anerkanntermaßen auf ausgeprägten spezifischen Erfahrungen (z. B. beim Feldbogenschießen) sowie einer guten Situations- und Handlungsantizipation (z. B. Maß des Anhaltens). Kenntnisse über die Bedeutung situativer Merkmale (z.B. Wind, Regen, Licht, abfallendes bzw. unebenes Gelände) sind daher für taktische Handlungen unerlässlich (vgl. Rohrberg 2009).

Mit der Einführung des K.-o.-Systems bzw. des Set-Play (2010) im Bogenschießen erfährt die Taktik eine bisher ungeahnte Dimension und damit eine weit größere Bedeutung, als dies ursprünglich der Fall war. Richtiges taktisches Handeln bedeutet damit im Bogenschießen u. a., dass eine Höchstleistung nicht schon in der Qualifikation erbracht werden muss. Hier gilt es in erster Linie, sich eine günstige Ausgangsposition (z.B. in Bezug auf Mannschaftsmitglieder) zu schaffen und seine Technik bis zu den Finalrunden »sauber« zu halten (vgl. Bachmann 1994).

Quelle:
Oliver C. Haidn, Jürgen Weineck, Veronika Haidn-Tschalova. Bogenschießen - Trainings- und bewegungswissenschaftliche Grundlagen. 2., überarbeitete und erweiterte Auflage. Spitta 2010 477-478.

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