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Sport
Sportmedizin


Dehnen verhindert und beseitigt Muskelkater - Fakt oder Legende?

01.08.2017
 - Prof. Dr. phil. Jürgen Freiwald

Assistierte Übung zur Dehnung der hinteren Oberschenkelmuskulatur
Assistierte Übung zur Dehnung der hinteren Oberschenkelmuskulatur

Muskelkater wird durch Zerreißungen der Muskelzellmembran verursacht. Die Schädigung ist zunächst auf Strukturen innerhalb der Muskelfaser beschränkt. Da Schmerzrezeptoren (freie Nervenendigungen) jedoch nur außerhalb der Muskelzelle liegen, verspürt der Sportler nach Muskelkater auslösender Belastung zunächst keinen Schmerz.

In den nächsten Stunden entwickelt sich jedoch eine Entzündung, und es kommt zu Schwellungen sowie Ansammlungen von Gewebswasser. Die Schwellungen erhöhen den Druck innerhalb der Muskulatur und führen zu einer Mangeldurchblutung des Gewebes. In Folge lösen sowohl die Entzündung, die Mangeldurchblutung als auch der erhöhte Druck im Gewebe Schmerzen aus.  

Die Empfehlungen aus der Praxis fallen uniform aus. Man solle vor sportlicher Belastung dehnen, um Muskelkater zu vermeiden – und man solle nach sportlicher Belastung dehnen, um Muskelkater zu vermeiden bzw. schneller zu regenerieren.

Die meisten Studien zeigen jedoch, dass Dehnungen vor oder nach sportlicher Betätigung keinen bedeutsamen Einfluss auf die Entstehung, die Stärke und das Abklingen des Muskelkaters haben (Herbert & de Noronha, 2007; Herbert & Gabriel, 2002).

Auch Marschall & Ruckelshausen (2004) kommen zum gleichen Ergebnis:
»Aufgrund der vorliegenden Befunde ist anzunehmen, das sich Muskelkater durch praxisrelevante Dehnmaßnahmen nicht beeinflussen lässt« (Marschall & Ruckelshausen, 2004, S. 40).

Muskelkater ist durch die begleitende Entzündung mit einer Veränderung des Blutbilds verbunden. So verändern sich die Entzündungsparameter und die Muskelenzyme. Lund et al. (1998) untersuchten, ob passives statisches Dehnen die Muskelschmerzen beeinflusst. Weiterhin untersuchten sie, ob sich Dehnungen nach sportlichen, Muskelkater auslösenden Belastungen dazu eignen, das veränderte Blutbild schneller zu normalisieren. Sie kamen zu dem Ergebnis, dass durch statische Dehnungen weder auf die Schmerzen noch auf das Blutbild Einfluss genommen werden kann.

Was weit weniger bekannt ist, ist die Tatsache, dass durch zu intensives Dehnen Muskelkater ausgelöst und verstärkt werden kann. Wiemann und Kamphöfner (1995) konnten ebenso wie Smith et al. (1993) zeigen, dass (intensives) Stretching nach Belastungen, die Muskelkater auslösten, den Muskelkater weiter verstärkten (vgl. auch Buroker & Schwane, 1989, High et al., 1989, Wessel & Wan, 1994).

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