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Sport
Sportwissenschaft


Das Konzept der Selbstwirksamkeit im Sport

01.08.2017
 - Dr. Sandra Kaltner

Der Glaube an uns versetzt Berge
Der Glaube an uns versetzt Berge

Sportlicher Erfolg erfordert mehr als körperliche Leistungsfähigkeit. Im Sport ist ein Zusammenspiel von Geist und Körper vonnöten. Antonio Damasio, ein Gehirnforscher, verdeutlicht mit seinem Leitsatz „der Körper ist die Bühne der Seele“ die Abhängigkeit unseres körperlichen Befindens und Leistungsvermögens von unserem psychischen Gleichgewicht.

Gerade in alltäglichen Stresssituationen wird uns dieser Leitsatz oftmals deutlich vor Augen geführt: der Kopf dröhnt, der Magen ist verstimmt. Rein statistisch gesehen plagt uns mindestens eine psychosomatische Beschwerde in der Woche. Analog dazu wirken sich unsere Emotionen und Gedanken auch auf unser sportliches Handeln aus. Inwiefern unsere Kognitionen dazu dienen können, unsere Leistungsfähigkeit im Sport zu optimieren, möchte dieser Beitrag einen ersten Einblick geben.

Dem Sporttreiben geht immer ein Gedanke voraus. Dies ist z. B. bei einem Freizeitsportler der Fall, der überlegt, ob er den Abend entweder auf der Couch vor der Lieblingssendung oder auf dem Laufband im Fitnessstudio verbringen will. Dies ist aber auch bei einem Leis-tungssportler der Fall, den weniger die Frage „Couch oder Sportplatz“ plagt, sondern der vielleicht gerade durch dysfunktionale Gedanken in Leistungssituationen mehr ein „Trainingsweltmeister“ (Eberspächer, 2007, S. 30) bleibt und nie als der wahre Sieger auf dem Treppchen steht. Gerade im Leistungssport geht es darum, die Diskrepanz zwischen Trainings- und Wettkampfsituation zu überwinden, indem wir nicht nur unsere technischen und physischen Fähigkeiten anwenden, sondern auch die subjektive Überzeugung entwickeln, dass wir diese in stressinduzierenden Situationen umsetzen können.

Viele Sportler verlieren unter psychisch belastenden Wettkampfbedingungen die Überzeugung von der Wirksamkeit ihrer Kompetenzen. Mit einer mangelnden Kompetenzüberzeugung gehen meist negative Emotionen wie Ärger und Angst einher, die in der Regel eine Leistungsverschlechterung hervorrufen. Aufgrund dieser unglücklichen Kombination kann es beispielsweise zu einem verschossenen Elfmeter beim Fußball kommen oder einem vergebenem Matchball im Tennis. Selbstwirksame Spieler dagegen gehen anders mit derartigen Emotionen um: Sie nutzen sie vielmehr als Energiespender. So liegt es nahe, dass die Selbstwirksamkeitsüberzeugung im Sport ein Katalysator für uns sein kann, aber auch zu unserem größten Gegner werden kann.

Das Konzept der Selbstwirksamkeit

Bandura (1980) bezeichnet als Selbstwirksamkeit die eben geschilderte subjektive Überzeugung einer Person, eine Handlung mittels eigener Kompetenzen zielgerichtet und erfolgreich bewältigen zu können, insbesondere in Situationen, die neue, stressreiche oder schwierige Elemente enthalten. Synonym dazu schuf Jerusalem (1990) den Begriff der „Kompetenzüberzeugung“ oder „Kompetenzerwartung“.

Es geht weniger um den Glauben an die eigenen Fähigkeiten, sondern um die Einschätzung, mittels dieser Fähigkeiten ein bestimmtes Ziel zu erreichen. Beispielsweise reicht es als Tennisspieler nicht aus, von seiner technischen Expertise überzeugt zu sein. Vielmehr zählt der Glaube daran, dass man mithilfe dieser Stärke seinen Gegner schlagen wird, auch wenn dieser gegebenenfalls technisch und physisch überlegen ist. Der entsprechende Gedanke könnte lauten: „Ich weiß, dass ich den Gegner schlagen kann, wenn ich mich jetzt anstrenge!“. Dabei beschränkt sich das Konzept der Kompetenzüberzeugung nicht nur auf Individualsportarten, sondern kann analog auf Mannschaftsportarten im Sinne der „Collective Efficacy“ übertragen werden. Bandura (1997) versteht darunter den gemeinsamen Glauben einer Gruppe, mittels eigener Fähigkeiten ein angestrebtes Ziel zu erreichen.

In Abgrenzung zu einem sehr ähnlichem Konstrukt, dem Selbstvertrauen, handelt es sich bei der Selbstwirksamkeit um ein situationsspezifisches, variables Konzept, das durch Lernprozesse verändert werden kann. Ihre Funktion ist es, aufbauend auf erlernten Fähigkeiten, bevorstehende Aufgaben zu bewältigen, während sich das Selbstvertrauen auf allgemeine Anforderungen, die das Leben stellt, bezieht. Ein selbstbewusster sportbezogener Gedanke könnte lauten: „Ich bin überzeugt, dass ich ein guter Schwimmer bin“, eine selbstwirksame Aussage dagegen wäre: „Ich weiß, dass ich 100 Meter Freistil in 55 Sekunden schaffen kann.“

Wie können meine Gedanken aber nun einen derartigen Einfluss auf meine Leistung haben? Hier könnte das Theorem der „selbsterfüllenden Prophezeiungen“ als Erklärung angeführt werden. Bin ich davon überzeugt, dass ich mit meinen Fertigkeiten den Gegner schlagen kann, ist die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass ich mich auch auf der Verhaltensebene mehr anstrenge. Analog steigt die Bereitschaft, mögliche Hindernisse (z. B. die gegnerische Mannschaft liegt beim Fußball zwei Tore vorne; der Tennisgegner hat den ersten Satz gewonnen) zu überwinden und dementsprechend erhöht sich meine Chance, letztlich doch noch als Sieger hervorzugehen.

Quelle:

Kaltner S.: Der Glaube an uns versetzt Berge. In: Sauerland M. et al.: Selbstmotivierung für Sportler. Motivationstechniken zur Leistungssteigerung im Sport. Spitta Verlag 2013, S. 37-38

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